Wirklich oder nur gedacht?
Im Relativsatz entscheidet der Modus, ob das Bezugswort als wirklich und bekannt gilt. Der Indikativ beschreibt etwas, das es gibt. Der Congiuntivo beschreibt etwas, das es nicht gibt, das noch gesucht wird oder das nur im Urteil des Sprechers existiert. Das Deutsche macht hier keinen Unterschied, das Italienische schon.
Gibt es die Person?
Indikativ: die Person gibt es
Conosco qualcuno che parla cinese.
Ich kenne jemanden, der Chinesisch spricht.
Congiuntivo: die Person gibt es nicht
Non conosco nessuno che parli cinese.
Ich kenne niemanden, der Chinesisch spricht.
Nach verneinter Existenz
Nach nessuno, niente, non c'è oder non esiste steht im Relativsatz der Congiuntivo. Den Indikativ hörst du im lockeren Gespräch, in sorgfältiger Sprache gilt er als nachlässig.
Non c'è nessuno che lo sappia.
Es gibt niemanden, der es weiß.
Non ho sentito niente che mi convinca.
Ich habe nichts gehört, was mich überzeugt.
Non esiste un metodo che funzioni per tutti.
Es gibt keine Methode, die bei allen funktioniert.
Nach Superlativ, unico, primo, ultimo
Nach einem Superlativ oder nach l'unico, il primo, l'ultimo drückt der Relativsatz ein persönliches Urteil aus. Hier ist der Congiuntivo die gepflegte Wahl und klingt oft vorsichtig: „soweit ich das beurteilen kann“. Der Indikativ ist im Gespräch verbreitet und stellt das Urteil als Tatsache hin.
Dieselbe Aussage, zwei Register
Congiuntivo: gepflegt, mit Vorbehalt
È il film più bello che io abbia mai visto.
Das ist der schönste Film, den ich je gesehen habe.
Sei l'unica persona che mi capisca davvero.
Du bist der einzige Mensch, der mich wirklich versteht.
Indikativ: Gespräch, Tatsache
È il film più bello che ho mai visto.
Das ist der schönste Film, den ich je gesehen habe.
Sei l'unica persona che mi capisce davvero.
Du bist der einzige Mensch, der mich wirklich versteht.
Geht es um eine reine Reihenfolge ohne Urteil, steht der Indikativ: Il primo treno che parte domani è alle sei.
Im Congiuntivo presente lauten die drei Singularformen gleich: io, tu, lui abbia. Deshalb steht oft das Subjektpronomen dabei: che io abbia.
In der Vergangenheit
Steht der Hauptsatz in der Vergangenheit, folgt der Congiuntivo imperfetto oder trapassato.
Non c'era nessuno che potesse aiutarci.
Es gab niemanden, der uns helfen konnte.
Era la persona più generosa che avessi mai conosciuto.
Sie war der großzügigste Mensch, den ich je kennengelernt hatte.