Die Biografie als Kette von Ereignissen
Lexikonartikel, Museumstexte und Nachrufe erzählen ein Leben fast immer im Passato remoto. Jedes Ereignis, das den Lebenslauf voranbringt, bekommt eine eigene Form: geboren, studiert, gegründet, gestorben. Dazwischen beschreibt das Imperfetto, wie die Welt damals war.
Maria Montessori in vier Sätzen
Maria Montessori nacque a Chiaravalle nel 1870.
Maria Montessori wurde 1870 in Chiaravalle geboren.
Nel 1896 si laureò in medicina, quando le donne medico erano rarissime.
1896 schloss sie ihr Medizinstudium ab, als Ärztinnen noch äußerst selten waren.
Ereignis im Passato remoto, Hintergrund im Imperfetto.
Nel 1907 aprì a Roma la prima Casa dei Bambini.
1907 eröffnete sie in Rom das erste Kinderhaus.
Morì nei Paesi Bassi nel 1952.
Sie starb 1952 in den Niederlanden.
Vor und nach der Erzählzeit
Ein Text im Passato remoto braucht zwei weitere Zeiten. Was vorher geschah, steht im Trapassato prossimo. Was später geschehen wird, aus der Sicht der Erzählung, steht im Condizionale passato. Diese „Zukunft in der Vergangenheit“ ist in Biografien sehr beliebt, weil es vorausdeutet.
Rückblick und Vorausblick
Quando arrivò a Milano, il fratello era già partito.
Als er in Mailand ankam, war sein Bruder schon abgereist.
vorher: Trapassato prossimo
A Parigi conobbe una giovane pittrice che sarebbe diventata sua moglie.
In Paris lernte er eine junge Malerin kennen, die später seine Frau werden sollte.
nachher: Condizionale passato
Nessuno immaginava che quel libro avrebbe cambiato la sua vita.
Niemand ahnte, dass dieses Buch sein Leben verändern würde.
Das Deutsche sagt hier „sollte werden“ oder „würde“. Im Italienischen ist das Condizionale passato die feste Lösung, nicht das einfache Condizionale: sarebbe diventata, nicht diventerebbe.
Erzählen in der ersten Person
In Romanen und Erinnerungen erzählt auch ein Ich im Passato remoto: capii, decisi, rimasi. Beim Lesen begegnen dir diese io-Formen seltener als die dritte Person, zum Schreiben brauchst du sie aber. Die Wahl verändert den Ton: Das Passato remoto rückt das Erlebte in die Distanz, das Passato prossimo holt es nah heran.
Dieselbe Erinnerung, zwei Haltungen
Passato remoto: literarisch, abgeschlossen
Quella sera capii che era finita. Presi il primo treno e non tornai più.
An jenem Abend begriff ich, dass es vorbei war. Ich nahm den ersten Zug und kam nie wieder zurück.
Passato prossimo: persönlich, erzählt wie im Gespräch
Quella sera ho capito che era finita. Ho preso il primo treno e non sono più tornato.
An dem Abend habe ich begriffen, dass es vorbei war. Ich habe den ersten Zug genommen und bin nie wieder zurückgekommen.