Feste Formen, nicht Nachlässigkeit
Aus going to wird gonna, aus want to wird wanna, aus don't know wird dunno. Diese Formen entstehen nicht spontan im Tempo, sondern sind über Jahrzehnte verfestigt: Sie haben eine feste Lautgestalt, die Muttersprachler weitgehend gleich sprechen.
Das sind keine zufälligen Verschleifungen, die je nach Tempo mal da sind und mal nicht. Es sind eigene Einheiten, die man sogar schreiben kann und die in Wörterbüchern stehen.
Vollform und Reduktionsform
What are you going to do?
[/wɒt ɑː juː ˈɡəʊɪŋ tuː duː/]
Was wirst du machen?
Diktatgeschwindigkeit, so hört man es selten.
Whaddya gonna do?
[/ˈwɒdʒə ˈɡʌnə duː/]
Was wirst du machen?
Normales Tempo, zwei feste Einheiten.
Woher die Formen kommen
Jede dieser Formen ist das Ergebnis von Lautprozessen, die im schnellen Sprechen ohnehin passieren. Irgendwann wurde das Ergebnis zu einer festen Einheit mit eigener Schreibung.
Drei Bausteine
Assimilation: Benachbarte Laute gleichen sich an oder verschmelzen, wie in let me zu /ˈlemi/ und in what do you zu /ˈwɒdʒə/.
Tilgung: Laute fallen weg, wie das /t/ in want to.
Schwa-Reduktion: Unbetonte Vokale werden zu /ə/, wie das to in going to.
Vom Wortpaar zur festen Form
I wanna talk to you.
[/aɪ ˈwɒnə tɔːk/]
Ich möchte mit dir sprechen.
t getilgt, to zum Schwa reduziert.
Lemme check the calendar.
[/ˈlemi tʃek/]
Lass mich mal den Kalender prüfen.
t gleicht sich an m an.
Die wichtigsten Formen
Mit diesen acht Formen verstehst du einen großen Teil dessen, was in Filmen, Podcasts und Gesprächen schnell klingt.
Form für Form
gonna
aus going to vor einem Verb: /ˈɡʌnə/. Steht für die Zukunft.
wanna
aus want to: /ˈwɒnə/.
gotta
aus got to oder have got to: /ˈɡɒtə/. Drückt Zwang aus, das have fällt oft weg.
dunno
aus don't know: /dəˈnəʊ/. Betont wird die zweite Silbe.
whaddya
aus what do you oder what are you: /ˈwɒdʒə/.
lemme
aus let me: /ˈlemi/. Typisch in Angeboten und Bitten.
kinda
aus kind of: /ˈkaɪndə/. Schwächt die Aussage ab, ebenso sorta aus sort of.
'em
aus them: /əm/.
Im Satz gehört
I gotta go, sorry.
[/aɪ ˈɡɒtə ɡəʊ/]
Ich muss los, tut mir leid.
gotta ersetzt have got to komplett.
I dunno, ask Marco.
[/aɪ dəˈnəʊ/]
Weiß ich nicht, frag Marco.
Betonung liegt auf der zweiten Silbe.
Just leave 'em on the table.
[/liːv əm/]
Lass sie einfach auf dem Tisch liegen.
them verliert das th vollständig.
Lemme know if you wanna come.
[/ˈlemi nəʊ ɪf jə ˈwɒnə kʌm/]
Sag mir Bescheid, wenn du mitkommen willst.
Zwei Reduktionsformen in einem Satz.
Wo die Formen nicht passen
Zwei grammatische Grenzen
gonna steht nur für going to vor einem Verb. Folgt auf going to ein Ort, ist to eine Präposition und bleibt voll: I'm going to Berlin.
wanna ersetzt want to nur direkt vor einem Verb. Steht ein Objekt zwischen want und to, bleibt es bei der Vollform: I want you to come.
Grenzen hörbar gemacht
I'm going to Berlin on Friday.
[/ˈɡəʊɪŋ tə/, kein /ˈɡʌnə/]
Ich fahre am Freitag nach Berlin.
Ort statt Verb, deshalb keine Reduktionsform.
I want you to see this.
[/wɒnt jə tə/, kein wanna]
Ich möchte, dass du das siehst.
Das Objekt zwischen want und to blockiert wanna.
Rezeptiv sicher, produktiv abwägen
Beim Hören gibt es keine Wahl: Diese Formen kommen in Vorträgen, Podcasts und Besprechungen genauso vor wie im Pub. Wer auf die Vollform wartet, verliert den Anschluss.
Beim Sprechen sind die Formen weitgehend neutral, und wer sie ganz meidet, klingt eher steif als korrekt. Geschrieben markieren sie den Text dagegen sofort als locker, ironisch oder als Zitat gesprochener Rede.
Schriftlich zulässig, schriftlich riskant
Zulässig in Chat, Untertitel, Songtext, Romandialog und im wörtlichen Zitat.
Riskant in E-Mails an Kunden, in Berichten und in allem Akademischen; nie in Verträgen, Bewerbungen oder formellen Anschreiben.
Dasselbe in zwei Kanälen
Gonna be late, sorry!
[/ˈɡʌnə bi leɪt/]
Komme zu spät, sorry!
Chatnachricht an Freunde, unauffällig.
I am going to be slightly delayed.
[/ˈɡəʊɪŋ tə biː/]
Ich werde mich etwas verspäten.
Gleiche Aussage, geschäftliche E-Mail.
So what we're gonna look at today is the data.
[/wɪə ˈɡʌnə lʊk/]
Was wir uns heute ansehen, sind die Daten.
Auch im Fachvortrag völlig normal.